Programm

Projekt und Werke

Die Fliegerei im Zentrum. Charles Lindbergh (1902-1974) öffnet den Weg für die moderne Luftfahrt bzw. für eine neue, kontinentenübergreifende Mobilität. Der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull zeigt die Grenzen der Luftfahrt. Natur wider Technik. Nachdenken über uneingeschränkte Mobilität ist angesagt!Das Projekt sprengt den Rahmen eines konventionellen Chorkonzerts. Kurt Weills Musik war ursprünglich für den Hörfunk geschrieben. Ein Sprecher führt durch die Handlung. Protagonisten treten in Erscheinung und besiedeln verschiedene Standorte der Bühne. Auch Peter Sigrists Stück lässt den Chor aus seiner statischen Rolle treten (spezielle Choraufstellungen bzw. Raumkonzepte). Das visuelle Moment wird zudem durch den exklusiven Aufführungsort, die Halle Luft- und Raumfahrt des Verkehrshauses Luzern, verstärkt.

„Der Lindberghflug“ oder „Der Ozeanflug“  Musik Kurt Weill / Text Bertolt Brecht

Der Text des Lindberghflugs behandelt die erste in einem Flugzeug geglückte Alleinüberquerung des Atlantischen Ozeans, welche Charles Lindbergh 1927 durchgeführt hatte. Der von Bertolt Brecht verfasste Text wurde vom Komponisten
Kurt Weill in Musik gesetzt. 1929 wurde die „Kantate für Soli, Chor und Orchester“ an der Berliner Krolloper unter der musikalischen Leitung von Otto Klemperer uraufgeführt.
Bertolt Brecht personifiziert das Flugzeug und die Naturgewalten, welche gegen den tollkühnen Piloten ankämpfen, sodass eine verbale Auseinandersetzung zwischen dem Wetter, dem Piloten, seiner Maschine und dem Abflugs- und Ankunftsdienst entsteht. Unseres Wissens wurde diese Kantate noch nie in Luzern aufgeführt.
Der Ausbruch des Vulkans unter dem Eyjafjallajökull-Gletscher in Island im Frühling 2010 war – und ist – ein Schlüssel-Erlebnis. Die riesige Aschewolke über Europa verwies den modernen Zwang nach grenzenloser Mobilität in seine Schranken. Die von der Natur verordnete Atempause hinderte uns zwar in unserer Bewegungsfreudigkeit, doch brachte sie ebenso die Chance für eine Besinnung – eine Besinnung über die sinnvollen Grenzen unserer Rastlosigkeit. Verkehr ist nicht verkehrt, doch wie viel Verkehr verträgt die Natur? Und wie viele Tapetenwechsel verträgt ein Mensch? Wer nie reist, kommt nirgends hin, doch wer ständig unterwegs ist, verliert sich in der unpersönlichen und bezugslosen Hölle von Flughafen-Hotels: eine identitätslose Welt globaler Austauschbarkeit.
In der Kantate bricht ein Vulkan aus – und legt den Flugverkehr lahm. Die Kantate zeigt 13 Momentaufnahmen dieses Ereignisses; mit einem lachenden und einem weinenden Auge fragt sie – ohne erhobenen Zeigefinger – nach den Chancen und Grenzen unserer modernen Luftfahrt.